Rechtschreibstrategien im (Sekundar)Unterricht

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Auf der 17. Fachtagung des EÖDL hielt Frau Margret Schneider (Oberstudienrätin und zertifizierte Legasthenietrainerin) einen Vortrag zum Thema “Der Einsatz von Rechtschreibstrategien im LRS- und Regelunterricht in der Sekundarstufe 1, Schwerpunkt Gymnasien”. Lassen Sie sich nicht von diesem langen Titel erschrecken, denn was Frau Schneider erzählte, war höchst interessant, nicht nur für Gymnasiasten, sondern für Kinder aller Schultypen.
In Baden-Württemberg brauchen Eltern sich schon mal nicht um einen Legastheniebescheid kümmern. Wenn ein Kind in der Rechtschreibung dauerhaft schlecht, ist der Lehrer dafür verantwortlich, diese Kinder zu identifizieren. Die Eltern brauchen ihr Kind nicht zum Psychologen zu schleppen; dafür gibt es eine gute Kooperation mit Legasthenietrainern. Wenn nötig, bekommen die Kinder zusätzlichen Förderunterricht.
Das Wichtigste ist aber, dass Lehrer und Kind sozusagen kooperieren. Der Lehrer darf nicht einfach korrigieren und dann hinschreiben: “23 F, Note 6”, eventuell noch mit dem sehr hilfreichen Hinweis: “Du sollst mehr üben”.
Nein, das Diktat wird entsprechend eines Fehlerprotokollbogens korrigiert, wonach man dann eine Übersicht über die Art der Rechtschreibfehler des Kindes hat. Da soll auch die Förderung ansetzen. Auch wird das Positive betont: “Du hast 88 von 111 Wörtern richtig”.
Die Kinder lernen bestimmte Rechtschreibstrategien anzuwenden und können so ihre Rechtschreibleistung verbessern. Die Rechtschreibstrategien sind:
  • Mitsprechen / Sprechschreiben
  • Nachdenken: Verlängern – Ableiten
  • Regeln
  • Merkwörter
  • Nachschlagen
Es würde den Rahmen sprengen, diese hier alle einzeln zu erläutern (dazu demnächst ein eigener  Blogeintrag), aber soviel sei schon gesagt, diese Rechtschreibstrategien funktionieren.
So paradiesisch wie sich das alles anhört, ist die Lage nicht überall in Baden-Württemberg. Frau Schneider berichtet von Lehrern, die sich querstellen und diese Art der Korrektur nicht machen wollen, aber insgesamt wird diese Methode in den meisten Schulen gut angenommen. Die Glücklichen sind die Kinder und deren Eltern, die in anderen Bundesländern, wo Legasthenie und LRS oft verkannt werden, die Leidtragenden sind. Es wäre sehr zu wünschen, dass das baden-württembergische Modell überall in Deutschland Schule machen würde.
Die Folien von Frau Schneider gibt es hier: Rechtschreibstrategien im LRS-Unterricht

 

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One Reply to “Rechtschreibstrategien im (Sekundar)Unterricht”

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